Gaukönigshofen

gau

Die Gemeinde Gaukönigshofen ist eines der stattlichen Dörfer des fruchtbaren Ochsenfurter Gaues, im südlichen Teil des Landkreises Würzburg gelegen. Zu Gaukönigshofen gehören als Ortsteile die früher selbständigen Gemeinden Acholshausen, Eichelsee, Rittershausen und Wolkshausen.

Die Verwaltung ist im imposanten Rathaus aus dem Jahre 1607, einem baulichen Kleinod im Renaissance-Stil, untergebracht.

Da die Gemeinde Gaukönigshofen bereits im Jahre 741 erstmalig urkundliche erwähnt ist, handelt es sich nachweislich um eine der ältesten Gemeinden im Landkreis Würzburg.

Bereits aus der Zeit der Bandkeramiker (vor 2000 v. Chr.) fanden sich Spuren einer früheren Besiedelung. Weitere Siedlungszeugnisse stammen aus der Bronezeit (1800 – 1000 v. Chr.) und aus der frühen Eisenzeit, auch Hallsteinzeit genannt.

Ab etwa 400 v. Chr. siedelten keltische Volksgruppen in unserer Heimat. Verschiedene Flurnamen, wie „Im kalten Bauern“, „Im kalten Feld“ oder der „Kaltenhof“ erinnern an diese Zeit und damaligen Siedler. Unsere „Burg“, zwischen Acholshausen und Gaukönigshofen über dem Thierbach gelegen, dürfte eine Fliehburg gewesen sein, die später zu einer mittelalterlichen Burg ausgebaut, im Bauernkrieg aber vollständig geschleift wurde.

Zur Zeit der Völkerwanderung war unser Gau Durchzugs- und vorübergehendes Siedlungsgebiet für germanische Völker wie Markomannen, Alemannen und Thüringer. Auch von Ihnen sind Besiedelungsreste nachgewiesen.

Die Gemarkung Gaukönigshofen mit ihren wertvollen Lössböden in klimagünstiger Lage weist eine besonders hohe Dichte an Besiedlungserzeugnissen aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit auf.

Es konnte eine nahezu ungebrochene Kontinuität der Besiedlung vom Beginn der Sesshaftigkeit des Menschen in der älteren Jungsteinzeit (6. Jahrtausend v. Chr.) bis mindestens in das 6. Jahrundert n. Chr. nachgewiesen werden. Besonders bedeutend sind die Funde aus germanischer Zeit. Diese setzen bereits in den Jahren um Christi Geburt ein. Gleichzeitig bestand in 10 km Enfernung das nur kurzfristig besetzte römische Doppellegionslager von Marktbreit, mit dessen Soldaten die Bewohner der „Brünnleinswiese“ in offenbar friedlichem Handelskontakt standen.

Nach dem Rückzug aus dem Mainlanden lag die Siedlung künftig im Vorfeld des Römischen Imperiums. Im Anschluss an die Errichtung des Limes als Reichsgrenze auf der Linie Miltenberg-Osterburken-Lorch um die Mitte des 2. Jahrhunderts entwickelte sich ein reger Güteraustausch mit den Provinzgebieten, der sich im Fundmaterial in importierten feinen römischen Tafelgeschirren, aber auch in Münzen, Gewandspangen und anderen Gegenständen niederschlägt.

Die Siedlung bestand während des 2. und 3. Jahrhunderts aus ca. 15 Höfen, die sich jeweils aus einem großen Gebäude mit Wohn- und Stallteil, einem Speicherbau und einzelnen kleinen Nebengebäuden zusammensetzten. Die Landwirtschaft bildete die Lebensgrundlage der Bewohner. Nur in geringem Umfang kommt verschiedenes Handwerk hinzu, wie beispielsweise die Verarbeitung von Buntmetall. Die Abwanderung erfolgte ungefähr im 6. Jahrhundert n. Christus in etwa zur Zeit der Gründung eines Königshofes im Bereich der heutigen Ortschaft Gaukönigshofen, als sich der germanische Stamm der Franken in der Zeit bis etwa 800 n. Chr. bis an den Main ausdehnte.

Im Jahr 822 war die Bestätigung der Schenkung aus dem Jahr 741, in der damaligen Dorfkirche St. Martin, sowie der Zehnt aus dem Königshof in das „Aussteuergut“ der neu gegründeten Diözese Würzburg übertragen worden war, Anlass für die Erwähnung unseres Ortes in einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen.

Der in seinem Umfang noch genau nachweisbare Königshof gab der Siedlung auch den Namen. Von hier aus entstanden bald Rodungen und neue Ansiedlungen, der Ortsnamen, wie Acholshausen, Rittershausen, Wolkshausen usw. überwiegend auf „-hausen“enden. Auch der Ortsname Eichelsee hat nichts mit einem See zu tun, sondern der ursprüngliche Name „Eicholuesheim“ wurde im Lauf der Zeit mundartlich zu Eichelsee verschliffen. Die urkundlich erwähnten alten Ortsnamen von 1130 Accolveshusen, bzw. 1182 Hacholdeshusen für Acholshausen, von 1128 Wolfichshusen für Wolkshausen und von 1234 Ruoderichshusen für Rittershausen, nehmen möglicherweise die Namen des ersten Siedlers oder des Siedlungsführers Hachold, Wolferich oder Ruoderich auf. Ab 1481 besaß die Dorfherrschaft für die Gemeinde Gaukönigshofen das Hochstift Würzburg. Für Acholshausen und Rittershausen war überwiegend das Kloster Stift Haug in Würzburg zuständig. Unter anderem hatten hier die Geschlechter der Gebsattel, der Stromberg, der Rosenbach, der Hund von Wenkheim sowie der Geyer und Zobel aus Giebelstadt ihre Güter.

 Erst in jüngster Zeit wurden im Gemeindebereich von Gaukönigshofen bei Ausgrabungen weitere sensationelle Funde gemacht. Die Wissenschaftler sind sicher, dass nahe dem heutigen Gaukönigshofen schon zur Zeit von Christi Geburt Menschen gelebt haben. Es wurde herausgefunden, dass Kelten und Germanen bereits vor ca. 2000 Jahren offensichtlich friedlich neben einander gewohnt haben.

Mit der „Inkorporation“ der Pfarrei Gaukönigshofen zusammen mit den Filialen Acholshausen, Eichelsee, Wolkshausen (und Hohestadt) in das Patronatsrecht des Prämonstratenserklosters Oberzell 1326 begann ein neuer Abschnitt in der geschichtlichen Entwicklung der Gemeinde, der erst 1803 mit der Säkularisation endete.

Alle Ortsteile besitzen noch heute eine große Anzahl an künstlerisch wertvollen Bildstöcken, Wegkreuzen, Kreuzschleppern und Pietas, die von der Frömmigkeit unserer Vorfahren, wie auch vom Können der damaligen Bildhauer zeugen.

Bedingt durch die hervorragenden Böden des Ochsenfurter Gaues – der Ortsteil Wolkshausen verfügt über die beste Bonität Bayerns – beherrscht die Landwirtschaft das Gemeindegebiet.

Der Strukturwandel der Landwirtschaft bereitet jedoch den hier tätigen Landwirten erhebliche Probleme. Ein Großteil der Bevölkerung sind Pendler, die in ihrer Berufstätigkeit in den nahe gelegenen Städten Ochsenfurt und Würzburg nachgehen.

Gaukönigshofen verfügt über einen hohen Freizeitwert und zeichnet sich durch ein reichhaltiges Vereinsleben aus.

Neben dem schon erwähnten Rathaus von 1607 im Renaissance Stil haben sich auf dem Gebiet der Gemeinde zahlreiche Kunst- und Baudenkmäler erhalten.
Der Stolz der Gemeinde ist das großartige, barocke Gotteshaus, die Schutzengelkirche, auch „Gaudom“ genannt. Die Kirche wurde in der Regierungszeit des Fürstbischofs Christoph Franz von Hutten in den Jahren 1724-1730 wahrscheinlich nach Plänen des Barockbaumeisters Antonio Petrini gebaut, 1988-1990 umfassend renoviert und erstrahlt nun wieder in neuem Glanz.
Hervorragende Künstler wirkten an der Ausgestaltung der Kirche mit, so Ferdinand Tietz, Ignaz Georg Auwera, Materno Bossi und Johann Andreas Urlaub, der das prachtvolle Deckengemälde mit dem Engelsturz malte.

Die Nikolauskapelle mit der Baugeschichte von etwa 1200 – 1613 ist ein einfacher Saalbau mit angeschlossenem dreigeschossigem Chorturm, der von einer Echternadel bekrönt ist.

Die beim Pogrom vom 9./10. November 1938 zerstörte jüdische Synagoge wurde originalgetreu restauriert und zur Kreisgedenkstätte mit einer angegliederten Ausstellung umgestaltet. Sie gibt Zeugnis vom Schicksal der früheren jüdischen Mitbürger in der Zeit des Nationalsozialismus. Wenige Meter weiter befindet sich das ehemalige jüdische Ritualbad die „Mikwe“ und einige der typischen „Schutzjudenhäuser“.

In der Mauer des Anwesens Hauptstraße 21 ist ein Sandsteinrelief aus dem Jahren um 1460 zu sehen. Dargestellt ist der „Tod Mariens“. Die Ausführung ist typisch für die mainfränkische Plastik dieser Zeit und weist vermutlich auf die Riemenschneiderchule hin.

Etwas versteck steht eine große Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1907 im Giebel der Breunigvilla gegenüber dem Rathaus. Sie ist einer Kreuzigungsgruppe von Riemenschneider nachempfunden.
Aus dem Jahr 1642 stammt die „Flucht nach Ägypten“, ein Bildstock an der Straße nach Wolkshausen.
Der Steinmetz des Bildstocks aus dem Jahr 1591 an der Abzweigung nach Acholshausen ist der Gaukönigshöfer Bildhauer Hans Rappold. Dargestellt ist, wie auch auf dem ältesten Bildstock von 1454 an der Straße nach Ochsenfurt, eine Kreuzigungsgruppe. Diese Aufzählung nennt allerdings nur einen kleinen Teil der Bildwerke in den Straße und in der Gemarkung von Gaukönigshofen.

Freizeiteinrichtungen und kulturelle Angebote

Einmalig in Franken ist wohl das seit August 1996 bestehende Streichelgehege „Arche Noah“. Auf gut zwei Hektar leben über 50 Vierbeiner und zahlreiche Hühner, Enten und Gänse, die von den Besuchern gefüttert und gestreichelt werden können. Ein Spielplatz sorgt bei einem Besuch für weitere Abwechslung.
Ein Blick auf die Entwicklung landwirtschaftlicher Geräte vom 19. Jahrhundert bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts ermöglicht das Bauernmuseum im Anwesen der Familie Eck. Gaukönigshofen liegt an der Strecke des „Gaubahn-Radweges“ von Ochsenfurt nach Röttingen, der eine Teilstrecke des „Radachters“ bildet, und ebenso am berühmten Jakobus-Pilgerweg nach Santiago de Compostella.
Ein neben dem Radweg neu angelegter See zwischen Altort und Siedlung, der „Mühlbachweiher“ bietet eine idyllische Möglichkeit im Bereich Naherholung und Freizeit.

Quelle: Broschüre „Die Gemeinde Gaukönigshofen informiert“ – 1. Auflage / 2012